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| Erich Kästner. CD. . Gedichte, Briefe, Leben zum 100. Geburtstag
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Unglaublich vielseitig
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Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Erich Kästner. CD. . Gedichte, Briefe, Leben zum 100. Geburtstag (Audio CD) Westdeutsche Zeitung. Unglaublich vielseitig ist Erich Kästner gewesen. Was Oliver Steller über einen der größten Dichter des 20. Jahrhunderts denkt, attestierten dem Rezitator und Sänger die etwa 300 Besucher des "Kästner-Abends", dem diese CD entspricht. Mit über 25 Gedichten und Briefen blickte der der Kölner Rezitator und Musiker zwei Stunden lang auf das Dichterleben zurück - die mutige Kombination aus Text und Gesang überzeugte dabei.
"Er ist in zwei Weltkriegen protestierend aufgestanden", sagt Oliver Steller mit Respekt und Sympathie für den 1899 geborenen Dresdner. "Weltkrieg statt großer Ferien", beschrieb Kästner in seinem "kurzgefassten Lebenslauf" seine Erinnerung an die Schulzeit. Stellers Stimme klang bedächtig und fest zugleich, seine Gitarre verbreitete eine beeindruckend bedrückende Atmosphäre, als er Kästners Jugenderlebnisse vortrug. "Und möchten schreien bis das Grab zerbricht", dichtete der selbst ernannte Musterschüler angesichts von "vier Jahr Mord und ein paar Kränze heute".
Zu Goethes Zeiten war es noch ein Land voller Zitronen, bei Kästner dagegen eines, "wo die Kanonen blühn". "Wo bleibt das Positive?", wurde der Künstler 1920 oft gefragt. "Ja, weiß der Teufel, wo das bleibt", brachte der Vortragskünstler Kästners bitteren Sarkasmus überragend zum Ausdruck.
Wer gedacht hatte, der Abend rege ausschließlich mit Texten voller Frust und Resignation zum Nachdenken an, sollte sich irren. Privatsphäre und Naturschönheiten verdrängten die grausame Politik. Und auch Steller vollzog einen Wandel. Lebendige Gitarrenmusik, fröhlicher Gesang: die Tristesse des ersten Weltkrieges war wie weggeblasen. Doch das Publikum verharrte in gebanntem Lauschen. Denn Steller kam zu Kästners eigentümlicher Beziehung zu seiner Mutter. "Mein liebes, gutes Muttchen" schrieb der Sohn immer wieder und schickte der Mutter noch mit vierzig Jahren seine schmutzige Wäsche. "Sogar durch die Wirren des zweiten Weltkrieges".
Fast so sehr wie seine Mutter liebte Kästner deutsche Landschaften. Schon "Onkel Theobald berichtet, was er sieht und sichtet, doch man sieht's auch ohne ihn", versetzte sich der Autor in so manche Kinderseele. Nicht grundlos schaffte er mit dem Kinderroman "Emil und die Detektive" den Durchbruch. Gleichzeitig durchschaute Kästner früh die grausame Willkür der Nazis. "Ein Volk versinkt in geistiger Umnachtung".
Ein Abend, der sich nur schwer auf CD bannen lässt, weil einem die Mimik und Gestik des Rezitators fehlt. Dennoch eine sehr empfehlenswerte CD!
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 22. Juli 2007 | | |
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